…im August 2015

ankbar und erfüllt blicke ich zurück auf drei wunderschöne Wochen auf der griechischen Insel Korfu mit Sonne und Wärme, mit Singen, Tanzen, Blumen versorgen, Faulenzen und am Strand liegen, Schwimmen, mit schönen Begegnungen und lieben Menschen und mit Zeiten von Stille und Alleinsein.

Am Ende der ersten Woche begegnete mir am Stand eine Frau: wie eine Göttin lag sie am Strand, runde, weiche Körperformen und ein warme, liebende Ausstrahlung. Wir kamen ins Gespräch und sie schenkte mir einen Stein, den sie für mich beschrieben hatte:

Du bist wertvoll

Dieser Satz begleitete uns noch die gesamte darauffolgende Woche intensiv im Singworkshop und es zeigte sich, wie sehr wir in unserem Wert verletzt wurden und welch tiefe Heilungsmöglichkeiten im gemeinsamen Singen liegen.

Ja, wie oft zweifeln wir an unserem Wert, meinen wir müssten irgendetwas Besonderes sein oder tun, etwas leisten. Und auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie es in mir ringt: alte Glaubenssätze aus meiner Kindheit zeigen sich, Erinnerungen an Aufsätze unter denen stand: „Thema verfehlt“ , schlechte Noten im Fach Deutsch, die mir immer wieder neu bewiesen, dass ich nicht schreiben kann und dass das, was ich zu sagen habe, keinen Wert hat. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zu Beginn meines Referendariats aufzählen sollte, was ich gut kann. Es ist mir verdammt schwer gefallen, dagegen konnte ich in Windeseile ganz viele Dinge aufzählen, die ich nicht kann. All diese Erfahrungen und Bewertungen haben mich geprägt und es braucht neue Erfahrungen und eine bewusste Entscheidung, alten, überholten Glaubenssätzen keine Macht mehr zu geben.

Das wichtigste, was ich in diesem Zusammenhang zur Zeit lernen darf ist, meine Aufmerksamkeit neu auszurichten. Haben wir doch gelernt, das anzuschauen, was wir nicht können, was wir lernen müssen, worin wir noch nicht gut sind anstatt auf das zu schauen, was wir gut können. Unser Bewusstsein für das zu schärfen, was wir können macht uns unabhängig, zufrieden und glücklich.

Und doch ist das lange nicht alles und eine weitere Frage tut sich in mir auf: Woran messen wir unseren Wert? -an dem was wir gut können? -an dem, was wir verdienen? – an unserem gesellschaftlichen Status? – an unseren guten Taten? -an dem, was andere über uns sagen?

Die Frau am Strand war in meinen Augen wunderschön und wertvoll, dabei entsprach sie bei weitem nicht dem Bild einer Frau in einem Modemagazin. Ich weiß auch nicht, welchen Beruf sie hat und wie viel Geld sie verdient, und es war auch nicht wichtig.

Sie lehrte mich:
Du bist wertvoll
so wie du bist, einfach, weil du bist.
Einzigartig –
ohne etwas Besonderes zu tun
ohne etwas Besonderes zu sein.
Ohne dich wäre die Welt ein Stück ärmer und leerer.
Du bist ein Wunder durch das das Göttliche, wie immer du es nennst, auf die Erde kommen darf.

Dabei braucht es ein Verabschieden der alten Vorstellung, dass das, was mich ausmacht, das Göttliche, was ich auf die Erde bringen möchte, nicht nur aus der lichtvollen Seite besteht, sondern das auch meine Schattenseiten dazu gehören. Das Singen hilft mir, meine Aufmerksamkeit auf mein Inneres zu lenken, meine Liebe wieder mehr zu spüren, mein Herz zu öffnen für all meine Anteile, die hellen wie die dunklen. Im Singen verbinde ich mich mit dem göttlichen Kern in mir. Durch die ehrliche und offene Begegnung im Miteinander Singen können alte Verletzungen ans Licht kommen und heilen. Dabei liegt für mich der Schlüssel im liebevollen Annehmen dessen was ist, im „Ja“ zu mir, so wie ich bin.

Veröffentlicht unter Gedanken auf meinem Weg |

2 Responses to “…im August 2015”

  1. Anne Peters-Dings sagt:

    Liebe Sabine,…

    für deine Geschichte auf Korfu, dein Erleben dieser tollen Begegnung, möchte ich dir herzlich danken, dass du sie teilst!
    Was du erzählst, das eigene Finden, immer wieder auf der Suche,…. ich kenne das auch!
    Es ist so schön, so ein kleiner Satz: Du bist wertvoll! Wie viel er bedeutet!
    Und ich bin bewegt von dem tollen Text, was diese Frau dich lehrte!

    Sie lehrte mich:
    Du bist wertvoll
    so wie du bist, einfach, weil du bist.
    Einzigartig –
    ohne etwas Besonderes zu tun
    ohne etwas Besonderes zu sein.
    Ohne dich wäre die Welt ein Stück ärmer und leerer.
    Du bist ein Wunder durch das das Göttliche, wie immer du es nennst, auf die Erde kommen darf.

    Dürfte ich den Text auch für mich verwenden? Er ist einfach toll aufbauend, was ich gerade für mich brauche! (Schmerzen vom Rücken!)
    Schade, dass das mit dem Singen nicht näher ist, aber am Donnerstag hatte ich deine CDs wieder mit auf meinem Weg unterwegs, wo ich auch von Herzen mitsinge! Das tut wirklich gut!
    Liebe Grüße, Anne

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